Siegfried Arends

Besuch beim Haus der Religionen in Bern

001 (2)<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamrheinfall.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>151</div><div class='bid' style='display:none;'>2176</div><div class='usr' style='display:none;'>42</div>

Schuhe an, Schuhe aus. Schuhe wieder ausziehen, Schuhe wieder anziehen. Willkommen im Haus der Religionen! Es sind die kleinen Gesten wie das An- und Ausziehen der Schuhe, die uns nachdrücklich darauf hinweisen, dass wir, die 25-köpfige Besuchergruppe aus Laufen und Feuerthalen, an einem nicht alltäglichen Ort sind.
Siegfried Arends,
Die verschiedenen Religionsgemeinschaften, die im Berner Haus der Religionen unter einem Dach zusammenleben, haben jeweils ihre eigenen Gepflogenheiten und ihre eigene Kultur. Vorgestellt werden uns die Bewohner dieser besonderen «Wohngemeinschaft» von unserem Führer Marco Röss. Röss, der sich selbst als Buddhist bezeichnet, tut dies auf sehr kurzweilige und kompetente Art. Er führt uns zuerst in die Moschee (Schuhe aus!), wo wir einem sehr aufgeschlossenen Imam begegnen, der das Klischee vom fundamentalistischen Islam Lügen straft. Imam Mustafa Memeti erklärt uns, dass die Predigt am Freitagsgebet jeweils in mehrere Sprachen und immer auch auf Deutsch übersetzt wird und dass die offene Ausrichtung der Moschee Ausstrahlung hat weit über die Grenzen der eigenen Gemeinschaft hinaus.
Weiter geht es, nun zu den Nachbarn, der hinduistischen Gemeinde (Schuhe aus!). Marco Röss erklärt uns, dass die Gewohnheit, die Schuhe auszuziehen, jeweils sehr unterschiedliche Hintergründe haben kann. Geht es in der Moschee einfach um eine hygienische Massnahme, verbinden sich damit für die Hindus rituelle Auffassungen von der Heiligkeit des Tempels. An diesem kleinen alltäglichen Beispiel macht er deutlich, dass es nicht angebracht ist, vorschnell zu folgern, «dass es in allen Religionen doch letztendlich irgendwie um dasselbe gehe». Vielmehr müsse es darum gehen, einander in seiner Unterschiedlichkeit und Eigenheit wahrzunehmen und von dort aus das Gespräch und den Austausch zu suchen.
Die Eigenheit des Hinduismus ist auf alle Fälle überaus bunt und üppig, so wird uns im Shiva-Tempel sehr schnell deutlich. Der Kontrast zwischen den vielfarbigen, exotisch anmutenden Darstellungen von Gottheiten in Tiergestalt und reformiertem Bilderverbot könnte kaum grösser sein. Dennoch, so erklärt Marco Röss uns nicht ohne Stolz, hätten die rauschenden, mitunter lauten religiösen Feste der Hindugemeinschaft mit zum Teil mehreren Tausend Gästen noch nie zu Konflikten mit der Berner Nachbarschaft geführt. Gelebte Toleranz nennt man das.
Schlichter präsentiert sich der buddhistische Gebetsraum, der zur Meditation einlädt, ebenso wie der nüchterne Versammlungsraum der Aleviten (eine vorwiegend in der Türkei beheimatete Glaubensrichtung, die mit dem Islam verwandt ist) und der christliche Kirchenraum, der vor allem von der äthiopisch-orthodoxen Gemeinschaft genutzt wird. Überhaupt war dies der Ausgangspunkt für die Gründung des Vereins «Haus der Religionen – Dialog der Kulturen»: den verschiedenen Glaubensgemeinschaften sollten würdige Gottesdiensträume zur Verfügung stehen. Mit viel Engagement und grossem Aufwand der beteiligten Religionsgemeinschaften konnte das Haus am Europaplatz im Jahr 2014 eröffnet werden. Finanzieren muss der Verein sich seitdem vorwiegend selbst.
Herzstück des Projektes ist das Restaurant im Mittelteil des Gebäudes. Hier findet Begegnung statt und hier sind auch Räume für die zahlreichen Bildungs- und Kulturveranstaltungen. Nicht um einen Einheitsbrei der Religionen soll es gehen, sondern um ein friedvolles Miteinander und um konstruktive und informierte Nachbarschaft. Hier, im Restaurant endete bei einem köstlichen ayurvedischen Lunch auch der Besuch unserer bunt gemischten, aus Jungen und Älteren bestehenden Gruppe. Erfüllt und mit angezogenen Schuhen traten wir unseren Rückweg an.
Bereitgestellt: 14.03.2019     Besuche: 23 Monat 
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