Konflager 2025: Segel-Abenteuer auf dem Ijsselmeer

Meine Bilder (Foto: Siegfried Arends)
Auch in diesem Jahr stechen die Konfirmand*innen wieder in See: gemeinsam mit einer engagierten Gruppe von Jungleitenden verbringen die Jugendlichen eine Woche auf einem Segelschiff in Holland. Ein Tag in Amsterdam inbegriffen. Hier berichten die Jugendlichen von ihren Erlebnissen.
Siegfried Arends und KonfirmandInnen,
Segellager Tag 1 Sonntag, 13.07.2025
Geplant war, dass wir (10 Konfirmand*innen, 13 junge Erwachsene und 1 Pfarrer) um 7.00 Uhr losfahren zu unserem diesjährigen Segelabenteuer in Holland, aber der Car hatte 15 Minuten Verspätung. Das war aber nicht schlimm, denn so konnten wir uns noch von unseren Familien verabschieden. Das ging zum Glück ohne grosses Tränenvergiessen über die Bühne….
Vor uns stand nun eine ca. 6-stündige Fahrt nach Oberhausen im Ruhrgebiet, wo wir einen Zwischenstopp im Gasometer geplant hatten. Während der Fahrt dorthin mussten wir alle ein kleines Holland-Quiz lösen, um sicher zu gehen, dass wir auch tatsächlich einreisen dürfen in die Niederlande.😉 Zum Glück haben alle den Quiz mehr oder weniger bestanden. Mit einer kleinen Mittagspause sind wir dann um 15 Uhr im Gasometer eingetroffen: einem ehemaligen Industriekomplex, das nun als Ausstellungshalle genutzt wird. Zuerst konnten wir uns das Gasometer selbst anschauen, bis wir dann um 15.30 Uhr eine Führung durch die momentane Ausstellung mit dem Titel «Planet Ozean» hatten. Die Ausstellung führt in die faszinierende Welt des Meereslebens ein. Zuvor konnten wir noch eine erstaunliche Aussicht vom Dach des Gasometers aus geniessen. Die Führung durch die Ausstellung war nicht nur sehr informativ, sondern auch mitreissend. Wir haben viel über das Meer und das Leben darin gelernt, einschliesslich der Gefahren für das Ökosystem Ozean. Nach der Führung brachen wir dann auf Richtung Holland. Um 19 Uhr trafen wir im Hafen von Kampen ein und durften dann auch ziemlich schnell aufs Boot: das Schiff namens «Avondrood», auf dem wir die nächsten Tage verbringen würden. Um den Hunger zu stillen, haben wir dann noch Pizza bestellt und den Tag mit einem Lied beendet. Schliesslich sind alle müde ins Bett gefallen und haben bis zum Morgen durchgeschlafen.

Segellager Tag 2 Montag, 14.07.2025
Nachdem wir um 7.45 Uhr von Adrians «wunderschöner» und vor allem lautstarker Musik geweckt worden sind, war erst mal Morgensport angesagt. Fabio und Dominik haben uns mit einer Joggingrunde fit gemacht für den Tag. Dann wartete ein leckeres Frühstück auf uns. Um etwa 10 Uhr sind wir dann mit dem Schiff Richtung Lelystad aufgebrochen. Leider hatten wir heute noch nicht so viel Wind und deswegen konnten wir nur mit Motorkraft fahren. Zum Mittagessen gab es vegetarische Burger, die alle erstaunlich schnell vom Teller verschwanden – offensichtlich hat es allen geschmeckt. An Deck wurden verschiedene Spiele gespielt, wie zum Beispiel «Werwölfe». Um 15 Uhr machten wir dann einen kurzen Badestopp. Es gab 2 kleine Kanus und ein Seil, mit dem man sich in Tarzan-Manier ins Ijselmeer fallen lassen konnte. Wir hatten alle viel Spass und genossen den Nachmittag. Auch gab es noch eine Einheit zum Thema unserer Woche: «Vorbilder». Es geht um die Frage, wer ein Vorbild für mich sein kann und warum? Und wie ich selbst ein Vorbild für andere sein kann. Gegen Abend waren wir dann im Hafen von Lelystad. Nach Ankunft im Hafen wurde ein Mörderlis-Spiel organisiert, bei dem es um kreative und unblutige Mordaktionen geht. Und zum Thema «Vorbild» wuden ein paar Beispiele, persönliche und biblische, vorgestellt. Anschliessend gab es Spätzli zum Abendessen. Danach hörten wir einen Vortrag von Simona über ihre Auslandssemester in Island und genossen unseren Dessert. Ein erster Tag auf dem Schiff liegt hinter uns – zwar ohne Segelaktion, aber dennoch mit vielen wertvollen Eindrücken.

Segellager Tag 3 Dienstag, 15.07.2025
Am Morgen wurden wir von lauten „Bangers“ begrüsst und in den Tag katapultiert. Danach ging es ohne Pause zum Morgensport im Hafen. Angeleitet von Simona haben wir in Zweier-Teams Vertrauensübungen gemacht. Die Mutigen unter uns haben sich sogar einen Back- oder Frontflip getraut. Nach dem Frühstück gab es von unserer Matrosin namens Nente, die das Kommando auf dem Schiff hat, erste Instruktionen für die Segelfahrt. Nach der kurzen Theroie-Session setzten wir das Gelernte auch schon in die Tat um. Zum ersten mal setzten wir die Segel. Das war sehr anstrengend und brauchte viel Teamwork, doch schlussendlich war es ein Erfolg. Mit Windstärke 4 bis 5 kreuzten wir im Zick-Zack über das stürmische Markermeer. Immer wieder mussten wir Manöver ausführen, um die Segel zu wechseln und den Kurs zu ändern. Einigen setzte das Schwanken ordentlich zu und es gab die ersten Seekranken. Doch mit frischer Luft und den entsprechenden Medikamenten überstanden wir auch dies. Beim „Sünnele“ an Deck musste man sich einen guten Platz suchen, denn an manchen Orten konnte man den regelmässigen Wellenspritzern nicht entkommen. Im Laufe des Nachmittags kam endlich der Hafen von Monickendam in Sicht und zur Freude unserer Seekranken konnten wir wieder einen Fuss an Land setzten. Allerdings erst, nachdem wir die Segel wieder ordentlich eingepackt hatten. Im Ort ging es für manche auf die erste Erkundungstour im malerischen Städtchen. Besonders die Backsteinhäuser im Ort sind uns positiv aufgefallen. Im Städtchen gab es sogar Menschen, die unser Schweizerdeutsch verstanden. Eine andere Gruppe kümmerte sich um den Einkauf. Wieder auf dem Schiff wurde eifrig gekocht und wurden Spiele gespielt. Die Zeit verging schnell und bald konnten wir die köstlichen Älplermaccronen verspeisen. Der Abend verspricht noch einen spannenden Input zu Anne Frank und bestimmt noch einige Spielrunden und bewegte Einträge in unsere Logbücher.

Segellager Tag 4 Mittwoch, 16.07.2025
Geweckt wurden wir heute ausnahmsweise von jemand anderem: Sarah hat uns mit ihren Klängen aus dem Land der Träume geholt. Ausserdem fiel aufgrund des vollgepackten Zeitplans der Morgensport leider aus, denn heute sollte es nach Amsterdam gehen. Nach einer 20-minütigen Busfahrt in die Innenstadt von Amsterdam gingen wir durch das noch inaktive, verschlafene Rotlichtviertel in das Museum «Ons' Lieve Heer op Solder». Dabei handelt es sich um eine versteckte katholische Kirche auf dem Dachboden eines normalen Hauses. Warum dieser Gottesdienstraum im Verborgenen bleiben musste? Nach der Reformation in den Niederlanden herrschte zwar Glaubensfreiheit, doch die nicht-reformierten Konfessionen wurden lediglich geduldet und sollten nicht in der Öffentlichkeit sichtbar sein. Katholische, lutherische oder freikirchlich gesinnte Christen mussten sich daher in nicht-öffentlichen Gebetsräumen treffen.
Nach einem spannenden Rundgang durften wir selbstständig die Stadt erkunden. Obwohl das Wetter sehr regnerisch war, liessen wir uns das Erlebnis nicht nehmen. Nach einer Stärkung an unterschiedlichen Orten der Innenstadt ging es nunmehr wieder vereint in der ganzen Gruppe zum Widerstandsmuseum. Das «Verzetsmuseum» thematisiert die Zeit der deutschen Besatzung während des zweiten Weltkriegs, als Holland von 1940 bis 1945 unter deutscher Herrschaft existierte. In der Bevölkerung gab es sehr unterschiedliche Haltung zu dieser Fremdherrschaft: von Kollaboration bis zum bewaffneten Widerstand waren alle Schattierungen vertreten. Nach der zweistündigen Führung gab es natürlich noch eine kleine Glacepause. Anschliessend war es auch schon Zeit, um zum Boot zurückzugehen, das immer noch im verschlafenen Hafen von Monickendam liegt. Zum Abendessen gab es einfache, aber dennoch sehr gute Pasta. Mit spannenden Gesprächen und Spielen liessen wir den Abend müde und zugleich zufrieden ausklingen.

Segellager Tag 5 Donnerstag, 17.07.2025
Heute sind wir musikalisch in den Tag gestartet mit einigen Seemannsliedern und einer biblischen Widerstandsgeschichte: diejenige von Daniel, der an seinen Überzeugungen festhält und vor die Löwen geworfen wird. Die entwickeln jedoch keinen Appetit auf den guten Mann, so dass Daniel überlebt und zur Symbolfigur eines aufrechten Menschen wird, der seinem Glauben treu bleibt.
Morgens war der Wind noch schwach, doch das änderte sich im Laufe des Vormittags und mit zunehmender Windstärke setzten wir die Segel. Alle Mann und Frau musste mitanpacken und die Überfahrt nach Enkhuizen gelang unter der Anleitung unserer Matrosin Nente erfolgreich. Einige von uns genossen die Fahrt liegend im Netz am Bug des Schiffes – ein besonderes Erlebnis. Angekommen in Enkhuizen entdeckten wir im Städtchen allerlei windschiefe Häuschen, viele Kirchen und – nicht ganz unwichtig fürs Überleben - einen grossen Supermarkt.
Nach einem feinen Znacht spielten wir Volleyball (natürlich an Land!) inklusive einer abenteuerlichen Ball-Rettungsaktion, nachdem das runde Ding in einem Kanal gelandet war. Auf der Spielwiese ereignete sich ausserdem ein bemerkenswerter Unfall, als ein gutmütiger Fremder von einer Gans gebissen wurde.
Ein 30-minütiger Dokumentarfilm über Seenotrettung nahm uns am Abend mit aufs Mittelmeer, wo Hilfsorganisationen sich das Schicksal von Geflüchteten auf ihren völlig ungeeigneten Schlauchboten zu Herzen nehmen. Eine andere Wirklichkeit als die unsrige auf unserem Freizeitboot, denn es geht um Leben und Tod.
Den Tag liessen wir mit einer leckeren Glacé und dem Singen von wiederum einigen Seemannsliedern ausklingen.

Segellager Tag 6 Freitag, 18.07.2025
Auch heute hat der Tag wieder mit dem üblichen Morgensport begonnen. Nach dem Einsingen mit Bewegung gestern, war heute eine sehr entspannende Meditationsrunde angesagt. Im Anschluss ging es gut ausgeruht und im Einklang mit dem Geist ans Frühstück. Danach hiess es Segel setzen und ab ins Freiluft-Museum in Enkhuizen, in dem eine Stadt im Jahre 1920 nachgebaut wurde wo man auf einige Arbeiter trifft, welche die Handwerke von damals ausüben und demonstrieren. Nachdem wir uns dort alles angeschaut und auch eine kleine Bootstour durchs Städtchen gemacht haben, geht es für uns dann wieder zurück aufs Schiff, wo bereits das Mittagessen bereitsteht. Nachdem wir uns alle mit einer grossen Portion «Hörnli mit (vegi-)Ghacktem» gestärkt haben, geht es weiter mit dem Segeln. Da wir allerdings keinen günstigen Wind hatten, sind wir nicht so viel gesegelt, sondern haben uns hauptsächlich mithilfe des Motors fortbewegt.
Auf dem Weg zu einer kleinen Insel im Ijsselmeer haben wir dann noch etwas Kleines gebastelt. Von Speckstein-bearbeiten über Tonen bis hin zum Malen war alles mit dabei. Auch für die Wellness-Begeisterten gab es ein Angebot, nämlich die Möglichkeit sich mit einer Gesichtsmaske und auch mit Hand Peeling verwöhnen zu lassen.
Nachdem wir am Steg angelegt hatten, konnten wir beim Schiff mit der «Schaukel» herunterschwingen und auch an einem kleinen Sandstrand baden gehen. Auch ein kleiner biblischer Input durfte nicht fehlen. Wir haben uns gemeinsam die Geschichte vom barmherzigen Samariter vorgenommen. Eines der grossen Highlights der Woche war das Krimidinner am Abend. Alle haben sich in Schale geschmissen und auch ihre schauspielerischen Künste bemüht. Allerdings wurde der Mörder nicht enttarnt.
Bevor es dann ins Bett ging, haben wir noch alle gemeinsam Volleyball am Strand gespielt und den wunderschönen Sonnenuntergang genossen.

Segellager Tag 7 Samstag, 19.07.2025
Nach dem Aufstehen gingen wir an den Strand der kleinen Insel, an der wir angelegt hatten, und konnten uns für den Morgensport entscheiden zwischen Volleyball und Schwimmen im Meer. Nach einem leckeren Frühstück segelten wir zurück nach Kampen. In Kampen angekommen regte Hanneke uns an mit einem Input über Social Media und deren Einfluss auf uns. Wir haben verschiedene Beispiel-Videos angeschaut und uns danach über den negativen oder positiven Einfluss ausgetauscht. Dieses Thema war selbstverständlich mit unserem Lagerthema «Vorbilder» verbunden.
Nach einer längeren Pause gab es dann schon Abendessen, das wir mit einem gemeinsamen Abendmahl eröffnet haben. Anschliessend, nachdem der Abwasch erledigt war, kamen wir zum obligatorischen Abschlussabend zusammen. Vorbereitet und moderiert wurde dieser von Hanneke, Dominik und Adrian. Bei den unterhaltsamen Spiele traten wir in zwei Gruppen gegeneinander an. Innert fünf Runden mussten beide Gruppen ihre Kreativität und Spielfreude unter Beweis stellen. Fazit: ein überaus lustiger und kurzweiliger Abend.

Segellager Tag 8, Sonntag, 20.07.2025
Nach einem frühen Weckdienst von Adrian gab es zum letzten Mal Frühstück an Bord. Während wir gegessen haben, lief der Abschlussfilm der Woche. Der fotografische Rückblick der vergangenen Tage sorgte für Erheiterung. Natürlich musste unser Schiff vor dem Verlassen geputzt werden, welches nach dem Frühstück erledigt wurde. Nach einer schönen Woche in den Niederlanden, ging es leider schon wieder nach Hause.


Segellager 2025
15.07.2025
6 Bilder
Fotograf/-in
Adrian Rohrbach