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Bereitgestellt: 02.12.2025
Kirchgemeindereise nach Siebenbürgen (Rumänien) vom 21.9. bis 2.10.2025
Versprochen hat das Reiseprogramm den 23 Teilnehmenden Kultur und Begegnungen. Erlebt haben sie genau das und noch viel mehr: Städte im Aufbruch, gerettete Orgeln, beeindruckende Gastfreundschaft und «befreite» Bären.
Die Reisegruppe war bunt gemischt: Zehn Leute aus Laufen, sechs aus Feuerthalen und sieben zugewandte Orte folgten der Einladung des Reiseleiters und Siebenbürger-Kenners Hans-Jörg Ganz. Die «Grüner Güggel»-Inspirierten reisten mit dem Nachtzug Wien–Burkarest direkt nach Medias, die andern flogen nach Cluj/Klausenburg und stiessen einen halben Tag später mit dem Bus zur Gruppe. Untergebracht waren die meisten im komfortablen Gästehaus der lutherischen Gemeinde mitten in der Altstadt, die von der imposanten spätgotischen Wehrkirche aus dem 15. Jahrhundert dominiert wird.
Versprochen hat das Reiseprogramm den 23 Teilnehmenden Kultur und Begegnungen. Erlebt haben sie genau das und noch viel mehr: Städte im Aufbruch, gerettete Orgeln, beeindruckende Gastfreundschaft und «befreite» Bären.
Die Reisegruppe war bunt gemischt: Zehn Leute aus Laufen, sechs aus Feuerthalen und sieben zugewandte Orte folgten der Einladung des Reiseleiters und Siebenbürger-Kenners Hans-Jörg Ganz. Die «Grüner Güggel»-Inspirierten reisten mit dem Nachtzug Wien–Burkarest direkt nach Medias, die andern flogen nach Cluj/Klausenburg und stiessen einen halben Tag später mit dem Bus zur Gruppe. Untergebracht waren die meisten im komfortablen Gästehaus der lutherischen Gemeinde mitten in der Altstadt, die von der imposanten spätgotischen Wehrkirche aus dem 15. Jahrhundert dominiert wird.
Wehrkirchen
Wehrkirchen und ihre Bedeutung für die Geschichte und Gegenwart der Siebenbürger Sachsen standen denn auch im Zentrum der Reise. Die ebenso charmante wie engagierte örtliche Reiseführerin, die Organistin und Kirchenmusikerin Edith Toth, führte uns zu besonders eindrücklichen Beispielen von Kirchenburgen in Kleinschenk, Agnetheln, Bierthälm, Malmkrog, Deutschweisskirch und Honigberg.
Sie zeugen von der langen und spannenden Geschichte der deutschen Siedler in Siebenbürgen: Die ersten wurden im Auftrag der ungarischen Könige, die Siebenbürgen im 11. Jahrhundert eroberten, angesiedelt. Sie stammten vor allem aus dem Gebiet zwischen Rhein und Mosel; sie erhielten fruchtbares Ackerland als Eigentum, waren keine Leibeigenen, trugen zur Erschliessung des dünn besiedelten Grossraums zwischen den Karpaten bei und mussten ihn gegen die immer wieder aus Zentralasien vordringenden Nomadenvölker verteidigen. Die meisten Kirchenburgen entstanden aber erst im Abwehrkampf gegen die seit dem 14. Jahrhundert aus Süden andrängenden Türken. Sie erfüllten ihre Aufgabe insgesamt so erfolgreich, dass Siebenbürgen nie vollständig ins osmanische Reich eingegliedert werden konnte.
Der Turm ist bei Kirchenburgen systematisch als eigentlicher Bergfried konzipiert; die meist gedrungene Kirche ist von einem oder oft mehreren mächtigen Mauerkränzen und Wehrgängen umgeben; an sie angelehnt befinden sich Rückzugsräume und Lebensmittelspeicher für die Dorffamilien, die bei einer Belagerung das Überleben sicherstellten.
Überleben im 20. und 21. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert übernahmen die Siebenbürger Sachsen rasch die Reformation lutherischer Prägung. Anders als in den meisten Gebieten Europas herrschte in Siebenbürgen aber religiöse Toleranz. Die ausbleibenden Religionskriege trugen wesentlich zum Wohlstand des Landes und der deutschen Minderheit bei. Erst der Einmarsch der Roten Armee 1945 wurde für die Sachsen zur grossen Katastrophe: Zehntausende wurden in die Sowjetunion deportiert. Die kommunistische Machtübernahme und vor allem die unendliche Herrschaft Ceausescus überlebten die rund 300‘000 Deutsch-Reformierten unter prekären Bedingungen. Der Umsturz von 1989 bedeutete dann aber die ganz grosse Wende: Hunderttausende wanderten aus und liessen sich vor allem im wiedervereinigten Deutschland nieder.
Heute leben noch rund 15‘000 Sachsen in Siebenbürgen. Die von uns besuchten Kirchgemeinden bestehen meist noch aus wenigen Dutzend, in den Städten aus ein paar Hundert Mitgliedern. Wie sie ihre kulturelle Tradition, etwa die unzähligen Orgeln, bewahren, das kirchliche Leben und die Gemeinschaft pflegen und sich darüber hinaus sozial auch in der Altenbetreuung engagieren, hat uns tief beeindruckt. Ihre Offenheit, der ungebrochene Glaube an die Zukunft, die Mischung aus Kreativität und Pragmatik im Umgang mit den enormen Herausforderungen sind die nachhaltigsten Eindrücke, die wir von der rundum geglückten Reise in den europäischen Osten mitnehmen können.
Markus Späth-Walter, Feuerthalen
Wehrkirchen und ihre Bedeutung für die Geschichte und Gegenwart der Siebenbürger Sachsen standen denn auch im Zentrum der Reise. Die ebenso charmante wie engagierte örtliche Reiseführerin, die Organistin und Kirchenmusikerin Edith Toth, führte uns zu besonders eindrücklichen Beispielen von Kirchenburgen in Kleinschenk, Agnetheln, Bierthälm, Malmkrog, Deutschweisskirch und Honigberg.
Sie zeugen von der langen und spannenden Geschichte der deutschen Siedler in Siebenbürgen: Die ersten wurden im Auftrag der ungarischen Könige, die Siebenbürgen im 11. Jahrhundert eroberten, angesiedelt. Sie stammten vor allem aus dem Gebiet zwischen Rhein und Mosel; sie erhielten fruchtbares Ackerland als Eigentum, waren keine Leibeigenen, trugen zur Erschliessung des dünn besiedelten Grossraums zwischen den Karpaten bei und mussten ihn gegen die immer wieder aus Zentralasien vordringenden Nomadenvölker verteidigen. Die meisten Kirchenburgen entstanden aber erst im Abwehrkampf gegen die seit dem 14. Jahrhundert aus Süden andrängenden Türken. Sie erfüllten ihre Aufgabe insgesamt so erfolgreich, dass Siebenbürgen nie vollständig ins osmanische Reich eingegliedert werden konnte.
Der Turm ist bei Kirchenburgen systematisch als eigentlicher Bergfried konzipiert; die meist gedrungene Kirche ist von einem oder oft mehreren mächtigen Mauerkränzen und Wehrgängen umgeben; an sie angelehnt befinden sich Rückzugsräume und Lebensmittelspeicher für die Dorffamilien, die bei einer Belagerung das Überleben sicherstellten.
Überleben im 20. und 21. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert übernahmen die Siebenbürger Sachsen rasch die Reformation lutherischer Prägung. Anders als in den meisten Gebieten Europas herrschte in Siebenbürgen aber religiöse Toleranz. Die ausbleibenden Religionskriege trugen wesentlich zum Wohlstand des Landes und der deutschen Minderheit bei. Erst der Einmarsch der Roten Armee 1945 wurde für die Sachsen zur grossen Katastrophe: Zehntausende wurden in die Sowjetunion deportiert. Die kommunistische Machtübernahme und vor allem die unendliche Herrschaft Ceausescus überlebten die rund 300‘000 Deutsch-Reformierten unter prekären Bedingungen. Der Umsturz von 1989 bedeutete dann aber die ganz grosse Wende: Hunderttausende wanderten aus und liessen sich vor allem im wiedervereinigten Deutschland nieder.
Heute leben noch rund 15‘000 Sachsen in Siebenbürgen. Die von uns besuchten Kirchgemeinden bestehen meist noch aus wenigen Dutzend, in den Städten aus ein paar Hundert Mitgliedern. Wie sie ihre kulturelle Tradition, etwa die unzähligen Orgeln, bewahren, das kirchliche Leben und die Gemeinschaft pflegen und sich darüber hinaus sozial auch in der Altenbetreuung engagieren, hat uns tief beeindruckt. Ihre Offenheit, der ungebrochene Glaube an die Zukunft, die Mischung aus Kreativität und Pragmatik im Umgang mit den enormen Herausforderungen sind die nachhaltigsten Eindrücke, die wir von der rundum geglückten Reise in den europäischen Osten mitnehmen können.
Markus Späth-Walter, Feuerthalen

