Gabriela Walter

Abschied in Zeiten von Corona

«Im engsten Familienkreis haben wir Abschied genommen von unserer geliebten…», so heisst es nun häufig auf Traueranzeigen. Die Pandemie verändert unsere Beerdigungspraxis. Was fehlt?
Eine volle Kirche anlässlich einer Trauerfeier – das gibt es nicht in diesen Zeiten von Abstand und Kontaktbeschränkung. Der Abschied im engeren oder im engsten Familienkreis ist zur Regel geworden. Hin und wieder fällt die Abschiedszeremonie, ob kirchlich oder nicht, völlig weg. Was macht dies mit uns?
Manchen Familien kommt die Beschränkung auf den Kreis der direkten Familienmitglieder durchaus entgegen. Bei der Trauerfeier selbst entsteht durch den begrenzten Kreis der Teilnehmenden mitunter eine überraschend dichte Atmosphäre. Gewisse Konventionen und Zwänge fallen weg. Ich muss mich nicht um meine Haltung bemühen vor mehr oder weniger Fremden. «Aufgrund der Pandemie waren nur sehr wenige Personen anwesend, was die Trauerfeier sehr kurz gehalten hat», erinnert sich eine Enkelin an den Abschied von ihrer Grossmutter. «Dies tat auf eine Art sehr gut. Wir konnten uns als Familie noch einmal richtig unterhalten und zusammensitzen. In einer normalen Situation wären noch viele weitere Menschen dabei gewesen, und wir wären alle verstreut an den Tischen gesessen.»
Aber es gibt auch die andere Perspektive: FreundInnen, Bekannte, Nachbarn, die nicht die Gelegenheit bekommen, Abschied zu nehmen, und die darunter leiden. «Es fühlt sich irgendwie nicht abgeschlossen an», meint eine Frau aus der Gemeinde nach dem Tod ihrer langjährigen Freundin.
Andere vermissen das gesellige Zusammensein nach der Trauerfeier. «Es war schwer, dass ich nach der Beerdigung alleine nach Hause gehen musste», erinnert sich eine Frau nach der Trauerfeier für ihren Partner. «Das gemeinsame Kaffeetrinken hinterher kann etwas so Tröstliches haben. Das hat gefehlt.»
Wie wichtig und heilsam es ist, eine passende Form für die Gefühle von Trauer und Schmerz zu finden, zeigt sich immer wieder. Kirche will dabei helfen. In Zeiten der Pandemie und danach.

Pfr. Siegfried Arends
Bereitgestellt: 12.05.2021     Besuche: 61 Monat 
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