Siegfried Arends

Konfirmanden besuchen Synagoge in Zürich

P3206097<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamrheinfall.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>85</div><div class='bid' style='display:none;'>2279</div><div class='usr' style='display:none;'>42</div>

Eine Gruppe von 12 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Laufen und aus Stein am Rhein besuchte die Synagoge der liberalen jüdischen Gemeinde in Zürich. Eine spektakulär unspektakuläre Erfahrung.
Siegfried Arends,
Vor dem Eingang des unscheinbaren Gebäudes in der Hallwyllstrasse stehen Betonsperren. Sie sollen verhindern, dass ein Verrückter mit einem Fahrzeug die Eingangstür rammt. Wer zum Freitagabend-Gottesdienst in die Synagoge möchte, muss sich bei der Security am Eingang ausweisen. Auch das sind Realitäten für das jüdische Leben in der Schweiz im Jahre 2019. Für die Sicherheitsmassnahmen muss die jüdische Gemeinschaft übrigens selbst aufkommen.
Abgesehen von dieser Besonderheit ist eigentlich nichts aussergewöhnlich an dem modernen Synagogenbau, es könnte sich auch um ein kirchliches Gemeindezentrum handeln. Mit dem Unterschied, dass alle männlichen Besucher sich eine Kippa, eine Kopfbedeckung, aufsetzen müssen. Warum das eigentlich so sei, wollen die Jugendlichen später wissen. Das sei keine Vorschrift aus der Bibel, sondern käme aus der Tradition, erklärt ihnen Rabbiner Ruben Bar Ephraim. Männer seien von Natur aus ein wenig «macho» und denken, dass sie die Grössten sind. Darum müssen sie durch die Kippa daran erinnert werden, dass es noch jemand Grösseres gibt, der über ihnen steht. Frauen bräuchten das nicht.
Bevor es zum Gespräch mit dem Rabbiner kommt, werden alle aufgefordert, einen Streifzug durch die Räumlichkeiten zu machen. Der Blick in die Küche verrät, dass hier koscher gekocht wird. Eine Seniorengruppe, die angeregt diskutiert bei Kaffee und Kuchen, macht deutlich, dass es hier auch Seniorenarbeit gibt und dass die Synagoge auch ein Ort der Begegnung ist. Kinderzeichnungen und hebräische Schriftzeichen geben einen Hinweis darauf, dass hier auch unterrichtet wird und das Kinder und Jugendliche in die Tradition eingeführt werden.
Im Gottesdienstraum führt Ruben Bar Ephraim der Gruppe die kostbaren Thorarollen, handschriftliche Kopien der hebräischen Bibel auf Pergament geschrieben vor. Es wird etwas spürbar von dem respektvollen Umgang mit den biblischen Texten in der jüdischen Tradition. Auch gibt der Rabbiner eine kleine Kostprobe aus der Gottesdienstliturgie, indem er einige Phrasen vorsingt. Der Synagogengottesdienst besteht hauptsächlich aus gesungener Liturgie.
Ruben Bar Ephraim, der seine Wurzeln in den Niederlanden hat, aber schon seit vielen Jahren in der Schweiz tätig ist, führt schliesslich durch den jüdischen Festkalender und zeigt Parallelen zum christlichen Kirchenjahr auf. Bei den Fragen zu den eigenen christlichen Festen schneiden die Konfirmandinnen und Konfirmanden allerdings nicht gerade glanzvoll ab…
Überraschend an diesem Synagogenbesuch ist vielleicht nur, dass es wenig Überraschendes gibt. Die Klischees von jüdischen Männern in langen schwarzen Gewändern und mit Schläfenlocken greifen hier nicht. Das hat sicher auch damit zu tun, dass wir in einer liberalen und nicht in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde zu Gast sind. Hier feiern die Mädchen ebenso ihre «bat-mizwa» wie die Jungen ihre «bar-mizwa», vergleichbar mit der Konfirmation, der Aufnahme von Jugendlichen in die Gemeinde.
Auf der Terasse eines Zürcher Cafés lassen die Jugendlichen die Eindrücke noch ein wenig nachklingen. Oder sind wieder in ihr Handy vertieft. Ohne Kippa selbstverständlich.

Bereitgestellt: 05.04.2019      
aktualisiert mit kirchenweb.ch